Vagabond
Vagabond – französischer Film der 1980er-Jahre
Ein bewegendes Porträt und einer der Höhepunkte des französischen Films der 1980er-Jahre.
In einer Zeit der 1980er-Jahre, in der sich fast alles auf stilbewusste junge Regisseure wie Beneix, Besson und Carax konzentrierte, trat Agnès Varda mit einem Film hervor, der trotz seiner etwas düsteren Stimmung eine beinahe magische Ausstrahlung hatte. Für das große Schauspieltalent Sandrine Bonnaire bedeutete er zugleich den endgültigen Durchbruch.
Am Straßenrand findet ein Bauer eine stark unterkühlte junge Frau. Sie ist leblos. Mit nahezu dokumentarischen Mitteln erzählt Varda die Geschichte dieser Frau und davon, wie sie dort landete, wo man sie gefunden hat. Die Handlung folgt der jungen Frau entlang der Landstraße, während Interviews mit Menschen, denen sie begegnet ist, versuchen, das Bild von ihr zu erweitern. Die junge Frau suchte die Einsamkeit und beeinflusste beinahe unbewusst alle Menschen, denen sie begegnete. Ihr Äußeres war selten ansprechend, ihr Verhalten jedoch rebellisch. Dennoch behalten viele Menschen eine gute oder sympathische Erinnerung an sie.
Vagabond ist ein bewegendes Porträt einer Frau. Es ist ein Verdienst des Films, dass das Publikum beim Verlassen des Kinos das Gefühl hat, dieser Frau selbst begegnet zu sein. Vagabond ist keine „Scheindokumentation“, sondern eine auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte, die Mittel des fiktionalen Films und des Dokumentarfilms verbindet. Varda selbst hat erklärt, dass vieles am Film erst während der Arbeit entstand, als man den Spuren der jungen Frau folgte und Menschen am Wegesrand begegnete. Vielleicht ist Vagabond einer der besten Roadmovies, die je gedreht wurden – zumindest aus europäischer Sicht. In amerikanischen Roadmovies sind Attribute wie Auto und Waffen Konventionen, die das Genre illustrieren; in Vagabond gibt es nur den Menschen und die Landstraße. Das Leben entsteht, während man geht.